Interpellation zur Loverboy-Problematik

Gestern habe ich im Kantonsrat eine Interpellation eingereicht, welche Fragen zu präventiven und repressiven Massnahmen zu der Loverboy-Problematik stellt .

Loverboys spielen jungen Frauen und Mädchen (Buben und Männer sind selten betroffen) die grosse Liebe vor, machen sie emotional von sich abhängig, entfernen sie von Freunden und Familie. Wenn ihnen das gelungen ist, spielen sie einen finanziellen Engpass vor, der nur mit Hilfe des Mädchens / der Frau überwunden werden kann und zwingen sie zur Prostitution. Immer öfter kommt es auch in der Schweiz zu solchen Taten.

Hier die vollständige Interpellation, welche ich mit Hilfe von André Wyss, EVP, erstellt habe:

«Loverboys» sind junge Männer, die minderjährige Mädchen und teilweise auch Jungen systematisch
mit einer fiesen Masche in die Prostitution führen. Das Alter der Opfer von Loverboys
liegt zwischen 12-18 Jahren. Häufig nehmen die Loverboys via Chatrooms in sozialen Medien
zu ihren Opfern Kontakt auf. Der Loverboy gibt den Mädchen Aufmerksamkeit, Zuneigung,
Komplimente und oft auch Geschenke (z.B. Markenkleider, Smartphone etc.). Er gaukelt die
grosse Liebe vor, macht sie systematisch von sich abhängig und sondert sie zunehmend von
Freunden und Familie ab. Ist die Abhängigkeit erreicht, kann der Loverboy alles verlangen:
z.B. Prostitution, Produktion von Pornographie und kriminelle Delikte. Das Ziel der Loverboys
ist es, möglichst viel Geld zu verdienen. Sie sind faktisch brutale und skrupellose Menschenhändler
und Zuhälter. Bedenken wir: Menschenhandel ist neben dem Drogenhandel die
grösste deliktische Einnahmenquelle überhaupt.


Bisher suchten Loverboys ihre Opfer hauptsächlich in osteuropäischen Ländern. Die jüngsten
Entwicklungen machen deutlich, dass den Loverboys auch in Westeuropa zunehmend Minderjährige
zum Opfer fallen. In Deutschland wurde nach dem „Bundeslagebild 2017“ des Bundeskriminalamts
bei über einem Viertel der Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung
die „Loverboy-Methode“ angewandt. 2017 waren dies 127 von insgesamt 489 festgestellten
Opfern von Menschenhandel (26 Prozent). Die Präventionsbemühungen wurden verstärkt.
Das ARD sendete einen Dokumentarfilm, und Behörden in Nordrhein-Westfalen produzierten
ein Präventionsvideo, das via Soziale Medien weite Verbreitung findet.
https://www.wz.de/nrw/loverboys-wie-junge-maedchen-in-die-prostitution-gebrachtwerden_
aid-39493315


In der Schweiz gingen im Jahr 2017 bei der Nationalen Meldestelle gegen Menschenhandel
und sexuelle Ausbeutung 21 Meldungen zu «Loverboy-Fällen» ein. Auf der mit der Meldestelle
verbundenen Website des Beratungs- und Schulungszentrums Menschenhandel und sexuelle
Ausbeutung ACTS 212 finden sich Filme und Dokus: https://www.act212.ch/loverboys/
filme-und-dokus


Im Mai 2019 berichtete die BaZ über einen aktuellen Fall in der Schweiz: https://www.bazonline.
ch/leben/gesellschaft/das-maedchen-und-der-loverboy/story/14955902
Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern hat neben anderen Massnahmen für alle Lehrpersonen
ein Faktenblatt mit Informationen zur Masche der Loverboys aufgeschaltet:
https://www.erz.be.ch/erz/de/index/kindergarten_volksschule/kindergarten_volksschule/
schulleitungen_undlehrpersonen/sexuelle_ausbeutung.asse-tref/dam/documents/ERZ/AKVB/de/09_Schulleitungen_Lehrpersonen/sl_lp_sexu-elle_ausbeutung_informationsblatt_loverboy_d.pdf
Es ist wichtig, dass Personen, die mit Jugendlichen direkt zu tun haben, aufmerksam sind und Veränderungen wahrnehmen. Das ist ein wesentlicher Beitrag, um Opfer von Loverboys zu identifizieren.
Die Verfolgung und Aufklärung von Loverboy-Fällen benötigten Ressourcen auf Seiten der Polizei und Staatsanwaltschaft sowie vertieftes Wissen und eine Sensibilisierung für das Thema.


Wir bitten den Regierungsrat zu prüfen und zu berichten, mit welchen konkreten Massnahmen die zuständigen Stellen bereit sind, die Präventions- und Aufklärungsarbeit sowie die Verfolgung im Kanton Solothurn zu verstärken und stellen dazu folgende Fragen:
1. Sind Lehrpersonen genügend für das Thema Loverboys sensibilisiert und wird es im Unterricht thematisiert?
2. Kann sich die Regierung vorstellen, die Öffentlichkeit anhand einer Kampagne zu sen-sibilisieren und zusätzlich im Internet Merkblätter und umfassende Informationsmateri-alien bereitzustellen?
3. Gibt es Organisationen im Kanton Solothurn, welche sich gezielt für die oftmals min-derjährigen Opfer der Loverboys einsetzen und Unterstützung für den Ausstieg aus der Prostitution und der Abhängigkeit bieten?
4. Verfügen Polizei und Staatsanwaltschaft im Kanton Solothurn über genügend Ressour-cen, um präventiv und repressiv gegen Loverboys vorzugehen?

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